Die CSI Conferences finden jährlich und weltweit statt: Dabei steht CSI Frankfurt neben CSI America, CSI Asia - Pacific und CSI Africa sowie vielen weiteren nationalen und auch virtuellen Veranstaltungen. Welche Gründe sprechen für diesen Fachbereich gegen einen zentralen Worldkongress?
Inga Sievert: Unser Fachgebiet ist zwar international, die Rahmenbedingungen unterscheiden sich aber von Region zu Region deutlich. Das betrifft sowohl die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten als auch die Krankheitsbilder oder den Zugang zur medizinischen Versorgung. In einigen Ländern Afrikas stehen beispielsweise weniger Devices oder spezialisierte Zentren zur Verfügung, gleichzeitig gibt es häufig weniger Möglichkeiten zur Früherkennung. Entsprechend unterscheiden sich auch die Fortbildungsbedürfnisse.
Gerade deshalb ist der internationale Austausch so wertvoll. Wir können voneinander lernen und neue Ansätze kennenlernen. Innovationen entstehen dabei häufig zunächst auf lokaler Ebene und werden über den internationalen Austausch Schritt für Schritt weltweit verbreitet. Genau dafür bieten die verschiedenen CSI-Veranstaltungen die passende Plattform. Das spiegelt sich auch in CSI Frankfurt wider: 2026 durften wir Teilnehmende aus 87 Ländern begrüßen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Fortbildung auch an die jeweiligen regionalen Möglichkeiten angepasst wird.
Ein weiterer Aspekt ist die Zugänglichkeit. Nicht jeder kann für eine Fortbildung nach Frankfurt reisen. Regionale Veranstaltungen ermöglichen es deutlich mehr Ärztinnen und Ärzten, an hochwertiger Weiterbildung teilzunehmen und sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.
Sie sind mit der Agentur CME4you. für die weltweite Kongressorganistion der CSI Kongresse zuständig. Welche kulturellen Besonderheiten und Herausforderungen prägen die Veranstaltungen in unterschiedlichen Regionen? Und was ist heute durch globale Standards in der Kongressindustrie weitgehend vereinheitlicht?
Inga Sievert: Wir arbeiten seit vielen Jahren international und sind selbst ein sehr internationales Team. Deshalb erleben wir kulturelle Unterschiede weniger als Herausforderung, sondern eher als Bereicherung. Frankfurt ist eine internationale Stadt, und auch in unserem Arbeitsalltag gehören unterschiedliche Kulturen ganz selbstverständlich dazu.
Wenn wir Veranstaltungen im Ausland organisieren, arbeiten wir immer eng mit lokalen Ärzten zusammen. Sie kennen die Gegebenheiten vor Ort und helfen uns dabei, auf regionale Besonderheiten einzugehen. In einigen asiatischen Ländern spielen beispielsweise offizielle Zeremonien oder formelle Danksagungen eine deutlich größere Rolle als in Europa. Solche Details berücksichtigen wir selbstverständlich.
Was unsere Arbeit besonders angenehm macht, ist die CSI-Community. Viele Ärztinnen und Ärzte begleiten unsere Veranstaltungen seit vielen Jahren. Man kennt sich, trifft sich regelmäßig bei Kongressen oder virtuellen Veranstaltungen, und dadurch entsteht eine familiäre Atmosphäre. Das macht die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg sehr unkompliziert.
Gleichzeitig sind viele Abläufe heute international standardisiert. Technische Anforderungen, Sicherheitsstandards, Akkreditierungen oder digitale Registrierungssysteme unterscheiden sich weltweit kaum noch. Das erleichtert die Organisation erheblich.
Neben den analogen Veranstaltungen existiert bei CSI parallel ein starker virtueller Education Strang. Wo liegen die Vorteile und wo die Grenzen von virtuellen Events?
Inga Sievert: Virtuelle Fortbildung hat viele Vorteile. Sie ist kostengünstig, organisatorisch schnell umzusetzen und ermöglicht Ärztinnen und Ärzten weltweit den Zugang zu hochwertiger Weiterbildung. Wir veranstalten auch heute noch zwei bis drei Webinare pro Monat, die regelmäßig sehr gut besucht sind. Über Zoom entstehen oft lebhafte Diskussionen mit vielen Fragen aus dem Publikum.
Seit der Pandemie ist die Nachfrage zwar etwas zurückgegangen, virtuelle Fortbildung bleibt aber ein wichtiger Bestandteil unseres Angebots.
Die Grenzen liegen aus meiner Sicht vor allem beim persönlichen Austausch. Die wertvollsten Gespräche entstehen häufig nicht während eines Vortrags, sondern in der Kaffeepause, beim gemeinsamen Abendessen oder einfach zufällig zwischen zwei Sessions. Dort entstehen Freundschaften, Kooperationen und oft auch neue wissenschaftliche Projekte. Das lässt sich online nicht ersetzen.
Außerdem sollte man bei virtuellen Veranstaltungen den Aufwand realistisch betrachten. Während der Pandemie haben viele Veranstalter sehr komplexe und kostspielige Online-Plattformen aufgebaut. Unsere Erfahrung war dagegen: Ein gut organisiertes Webinar über Zoom funktioniert hervorragend. Manchmal ist weniger tatsächlich mehr.
Halten Sie hybride Kongresse langfristig für ein Perspektive? Welche Herausforderungen sehen Sie für Veranstalter und Venue dabei?
Inga Sievert: Ich glaube, dass sich Präsenzkongresse und virtuelle Fortbildung langfristig ergänzen werden – allerdings eher als zwei unterschiedliche Formate und weniger als klassische hybride Veranstaltungen.
Ein viertägiger Kongress lebt vom persönlichen Austausch. Die meisten Menschen möchten nicht vier Tage am Bildschirm verbringen, selbst wenn die technische Umsetzung perfekt ist. Dafür sind kurze, fokussierte Online-Formate ideal. Innerhalb von zwei oder drei Stunden kann man gezielt Wissen vermitteln und anschließend diskutieren.
Natürlich ist es sinnvoll, Vorträge nach einem Kongress online verfügbar zu machen. So können Inhalte nachträglich angesehen werden. Was dabei aber fehlt, ist die direkte Interaktion mit Referierenden und Kolleginnen und Kollegen.
Aus meiner Sicht liegt die Zukunft deshalb in einer Kombination aus hochwertigen Präsenzkongressen und regelmäßigen virtuellen Fortbildungsformaten – jeweils dort eingesetzt, wo sie ihre jeweiligen Stärken ausspielen.
Der CSI Frankfurt fand 2026 zum 20. Mal in den Locations der Messe Frankfurt. Das ist eine beachtliche Historie. Was verbindet CSI mit Frankfurt am Main?
Inga Sievert: CSI ist seit den 1997 eng mit Frankfurt verbunden. Der Kongress wurde von meinem Vater, Prof. Horst Sievert, ins Leben gerufen und hat sich von einer kleinen Fachveranstaltung zu einem der weltweit führenden Kongresse auf diesem Gebiet entwickelt. Frankfurt ist bis heute der Standort des CardioVasculärem Center Frankfurt (CVC) sowie unseres Organisationsteams von CME4u.
Nach so vielen Jahren gehört Frankfurt für viele Teilnehmende einfach zu CSI dazu. Viele verbinden die Stadt unmittelbar mit unserem Kongress und freuen sich jedes Jahr darauf, bekannte Kolleginnen und Kollegen hier wiederzutreffen.
Hinzu kommt die hervorragende internationale Erreichbarkeit. Der Flughafen Frankfurt ermöglicht unseren Gästen aus aller Welt eine unkomplizierte Anreise, was bei einer Veranstaltung mit Teilnehmenden aus über 80 Ländern ein großer Vorteil ist.
Der Kongress ist auf Wachstumskurs, deshalb sind Sie 2026 vom Congress Center ins Forum Messe Frankfurt umgezogen. Abgesehen von der Flexibilität mit dem Event zu wachsen, was sind Ihre Hauptanforderungen an eine Kongresslocation?
Inga Sievert: Mit dem Wachstum des Kongresses müssen natürlich auch die Räumlichkeiten mitwachsen. Genauso wichtig sind für uns aber Zuverlässigkeit und eine enge Zusammenarbeit mit der Location. Ein internationaler Kongress braucht flexible Räume für unterschiedliche Formate, eine moderne technische Infrastruktur und eine gute Erreichbarkeit für Teilnehmende aus aller Welt.
Ein entscheidender Faktor ist für uns das Team vor Ort. Mit der Messe Frankfurt arbeiten wir seit vielen Jahren eng zusammen. Viele Ansprechpartner begleiten CSI schon seit langer Zeit. Man kennt sich, arbeitet Hand in Hand und findet auch für unerwartete Herausforderungen schnell eine pragmatische Lösung. Dass wir mit dem Umzug ins Forum weiterhin mit diesem eingespielten Team zusammenarbeiten konnten, war für uns ein großer Vorteil.
Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden für Veranstalter immer wichtiger. Die Kosten für internationale Kongresse sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig stehen Veranstaltungsorte heute im internationalen Wettbewerb. Wenn die Gesamtkosten weiter steigen, werden viele wissenschaftliche Fachkongresse künftig noch genauer prüfen müssen, an welchem Standort sie langfristig stattfinden können. Deshalb haben wir uns sehr über die Fördermittel der Stadt Frankfurt im Jahr 2026 gefreut. Solche Partnerschaften stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und tragen dazu bei, internationale Kongresse auch künftig in Frankfurt zu halten.