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Ohne Komfortzone in Vilnius

02.12.2025

Ein Auslandssemester, um persönlich zu wachsen und die eigene Komfortzone zu verlassen: Diesen Wunsch erfüllt sich Bárbara Cunha Preußler, die bei uns ihr duales Studium in Softwaretechnologie absolviert, derzeit im litauischen Vilnius.

Bárbara Cunha Preußler
Bárbara Cunha Preußler mit dem Blick von der Aussichtsplattform die Drei Kreuze

Wie kam es zu deinem Auslandseinsatz?

Ich hatte schon lange den Wunsch, für eine Zeit lang im Ausland zu leben. Bei meiner Bewerbung für mein Studium an der Technischen Hochschule Mittelhessen habe ich deshalb darauf geachtet, dass es die Möglichkeit eines Auslandssemesters gibt. Als dann die Gelegenheit kam, habe ich sofort zugesagt.

Und warum gerade Litauen?

Weil es mich gereizt hat, dass ich so gut wie nichts über das Land wusste. Ich konnte also etwas komplett Neues entdecken, ohne bestimmte Vorstellungen zu haben. Und so am besten meine Komfortzone verlassen, um persönlich zu wachsen. Außerdem hat mir das Angebot der Universität Vilnius Tech gefallen, da ich hier interessante Dinge in meinem Studiengang lerne, aber auch anderes ausprobieren kann. So habe ich zum Beispiel Public Communication gewählt, wo ich etwa lerne, frei zu reden oder Präsentationen zu halten.

Nenne mir drei Dinge, die dir in Litauen besser gefallen als zu Hause?

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind unglaublich günstig, pünktlich und sauber. Man kann überall ganz einfach mit Karte zahlen und es gibt in allen Supermärkten und vielen weiteren Shops Selbstbedienungskassen. Es gefällt mir auch sehr, dass die Hauptstraße im Zentrum der Stadt nachts und am Wochenende für Autos gesperrt ist. Das macht es unglaublich angenehm und sicher auszugehen und gibt der Stadt ein gemütliches Gefühl.  

Gibt es etwas, dass du nach deiner Rückkehr definitiv nicht vermisst?

Die Nähe zur russischen Grenze werde ich nicht vermissen. Im Alltag merkt man zwar nichts, obwohl die NATO hier sehr präsent ist und viele ukrainische Flaggen aushängen, um Solidarität zu zeigen. Trotzdem gab es ein paar Momente, in denen ich etwas Angst bekommen hatte, weil zum Beispiel der Flughafen gesperrt wurde aufgrund von belarussischen Schmugglerballons. Natürlich ist Litauen so wie Deutschland durch die NATO zunächst geschützt, aber so nah zu sein, gibt einem doch manchmal ein Gefühl der Ungewissheit.

Fried Cepelinai – eine Variante des litauischen Gerichts Cepelinai.
Fried Cepelinai – eine Variante des litauischen Gerichts Cepelinai.

Was waren bislang deine kulinarischen Highlights?

Definitiv Fried Bread, eine Art dunkles Knoblauchbrot, das sehr lecker ist als Snack zwischendurch oder als Vorspeise. Und Cepelinai, mit Hackfleisch gefüllte Kartoffelklöße serviert mit saurer Sahne und Speck. Vilnius hat unglaublich viele unterschiedliche Restaurants und kulinarische Angebote.

Was war dein persönliches Highlight?

Mein persönliches Highlight war der Ausflug mit meinen Freunden nach Trakai. Es war noch recht warm im Spätsommer, sodass wir uns ein Tretboot auf dem malerisch schönen See ausleihen und sogar schwimmen gehen konnten. Außerdem gab es einen prägenden Moment zu Beginn meines Auslandssemesters, als ich zum Sonnenaufgang zu einer Aussichtsplattform, den Drei Kreuze, gelaufen bin. Es ist ein wunderschöner Blick über die ganze Stadt und in dem Moment habe ich tatsächlich realisiert, dass ich nun da bin und einen Traum ausleben darf.

Die Wasserburg von Trakai ist vor allem im Sommer ein Highlight.
Die Wasserburg von Trakai ist vor allem im Sommer ein Highlight.

Und was deine größte Überraschung?

Die Stadt und die Menschen haben mich sehr überrascht. Obwohl es ein kleines Land mit nur drei Millionen Einwohnern ist und es doch ziemlich kalt wird, sind immer viele Leute auf den Straßen unterwegs, auch viele junge Menschen. Die Stadt ist nicht nur am Wochenende sehr belebt, sondern auch unter der Woche und es gibt täglich viele Eventangebote. Auch in Englisch, denn viele Einheimische erfreuen sich daran, die eigene Kultur für ausländische Gäste zu präsentieren. Außerdem ist auch die Architektur der Stadt mit ihren vielen Kirchen wunderschön. Vilnius hat den Slogan „unexpectedly amazing“ und erfüllt ihn voll und ganz, weil es eben nicht so bekannt ist, aber doch sehr sehenswert.    

Andere Länder, andere Sitten: Welche Unterschiede hast du in deinem neuen Arbeitsumfeld erlebt?

Die Lehrer hier werden geduzt und sind sehr zuvorkommend und unterstützend mit den Hausaufgaben oder bei Problemen. Zudem bekommt man in der Uni regelmäßig Feedback, da es zwischendurch Hausaufgaben und Deadlines gibt, die in die Endnote einbezogen werden. In Deutschland gab es nur eine Prüfungsleistung am Ende des Semesters, während es hier durchs Semester hindurch immer wieder Leistungen gibt und Gruppenarbeiten.

Hast du einen Tipp für unsere Mitarbeitenden in Frankfurt, die es auch nach Vilnius zieht?

Das Restaurant Etno Dvaras in Pilies kann ich empfehlen, um litauisches Essen zu probieren. Es ist zwar eine Kette und auch ein wenig touristisch ausgelegt, aber das Essen war super und auch das Ambiente im gemütlichen Keller. Etwas authentischer hingegen wirkt das Restaurant Šnekutis. Und was man auf keinen Fall verpassen sollte, vor allem im Sommer nicht, ist die naheliegende Wasserburg von Trakai.

Gibt es Dinge in Vilnius, die du dort speziell für dein künftiges Berufsleben lernen kannst?

Ich habe gelernt, mit Menschen unterschiedlicher Nationalitäten umzugehen und zusammenzuarbeiten, auch in einer Fremdsprache. Ich habe Menschen von überall kennengelernt – aus Frankreich, Spanien, Ungarn oder sogar Südkorea und Indien – mit denen ich gemeinsam hier lebe und studiere. Dadurch habe ich schon viel über ihre unterschiedlichen Kulturen gelernt, was ich sehr spannend und bereichernd finde.

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