Überspringen

Schubladen-Geschichte mit Happy End

21.10.2025

Bücher waren schon immer ihr Ding. Anja Körner, Referentin für Media Relations, liest sehr gerne, und war häufig als Besucherin auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs. Seit 2023 hat sie die Seiten gewechselt und ist dort als Kinderbuch-Autorin vertreten. In unserem Interview verrät sie, wie es dazu kam.

Anja Körner am Kosmos-Verlagsstand mit zwei ihrer veröffentlichten Bücher.
Anja Körner am Kosmos-Verlagsstand mit zwei ihrer veröffentlichten Bücher.

Wolltest du schon immer Kinderbuchautorin werden?

Eigentlich nicht. In der Schulzeit habe ich für mich zwar schon kleinere Texte geschrieben, aber das war es auch. So richtig haben mich erst meine Kinder dazu inspiriert. Beim gemeinsamen Vorlesen habe ich häufig angefangen, die Texte abzuwandeln, weil sie mir so besser gefielen. Und irgendwann hatte ich dann die Idee, dass ich doch selbst mal ein Buch schreiben könnte. Daraus ist 2018 ein 100-seitiges Manuskript entstanden: „Paule, Zacki & das Wunschglas“, das meinen Kindern, damals 8 und 10 Jahre alt, gut gefiel. 

Und das dann auch publiziert wurde?

Nein, es blieb zunächst in der Schublade liegen – bis Corona kam und ich wochenlang in Kurzarbeit war und mehr Zeit hatte, mich wieder dem kreativen Schreiben zu widmen. Im zweiten Corona-Sommer 2021 belegte ich ein Kinder- und Jugendbuch-Seminar und die Kursleiterin ermutigte mich, meinen Text einzureichen. Das habe ich tatsächlich gemacht und das Manuskript an vier Literatur-Agenturen geschickt. Von einer Agentur bekam ich direkt eine Absage, zwei andere haben sich bis heute nicht gemeldet und eine bekannte Berliner Agentur hat das ganze Manuskript angefordert und mich unter Vertrag genommen.

Wurde deine Geschichte veröffentlicht?

Nein, die Geschichte hat sich leider bis heute nicht verkauft – aber sie war meine Eintrittskarte in die Buchbranche. Die Agentur hat mein Manuskript verschiedenen Kinder- und Jugendbuchverlagen angeboten, und darüber bekam ich eine Anfrage für ein anderes Projekt: Der Kosmos-Verlag suchte einen Autor für eine neue Drei ??? Kids-Reihe mit extra Sachwissen. Nachdem ich einen dreiseitigen Probetext im Stil der Drei ??? Kids hingeschickt hatte, bekam ich wenige Tage später einen Anruf meiner Agentur, dass der Verlag mit mir die ganze Reihe machen wolle.

Anja Körner (re) im Gespräch mit ihrer Lektorin Nadja Fendrich.
Anja Körner (re) im Gespräch mit ihrer Lektorin Nadja Fendrich.

Warum hast du dein erstes Manuskript nicht direkt an einen Verlag geschickt?

Heute haben die meisten Verlage gar nicht mehr die Zeit, die vielen Manuskripte zu lesen, die eingereicht werden. Viele schreiben auf ihren Websites sogar, dass man bitte keine Manuskripte einsenden soll. Die Verlage verlassen sich deshalb auf Literatur-Agenturen, die schon mal eine Vorauswahl treffen und diese den Verlagen vorstellen. Umgekehrt treten aber auch die Verlage an die Agenturen heran mit der Bitte, einen Autor für ein bestimmtes Buch-Thema zu finden. So wie in meinem Fall.

Bist du das erste Jahr auf der Buchmesse als Autorin unterwegs?

Nein, seit 2023. Als Autorin am Kosmos-Stand in der Halle 3 bei den Kinder- und Jugendbüchern. Ich habe dort verschiedene Termine mit Lektoren, um neue Buchprojekte zu besprechen.

Welches Buch stellst du dieses Jahr vor?

Das Buch „Raub auf der Ritterburg“ aus der Drei ???-Kids-Reihe, in dem Justus, Peter und Bob einen Fall in einem Mittelalter-Themenpark lösen und das dieses Jahr im Februar erschienen ist. Außerdem schreibe ich mittlerweile auch noch Bücher für die Drei !!!-Reihe des Kosmos-Verlags, der Mädchen-Variante der Drei ???. Mein erstes Drei !!!-Buch „Mädchentalk & fiese Diebe“ ist im Juni erschienen – für Mädchen ab 11 Jahren. Und für die Kleineren im Alter von 3 bis 5 Jahren habe ich mit einem kleineren Verlag, MindEmpire, letzten Winter das Bilderbuch „Konrad Keks – Was ist Glück?“ herausgebracht.

Wann findest du die Zeit zum Schreiben?

An meinem freien Freitag bin ich den ganzen Tag am Schreiben. Und an den anderen vier Tagen bin ich für die Messe tätig. Kurz vor der Deadline eines Projekts schreibe ich auch häufig samstags oder nehme mir eine ganze Woche frei, um auch mal drei bis vier Kapitel am Stück zu schaffen.

Wie vermarktest du deine Bücher?

Ich biete Lesungen an in Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen oder bei Lesefestivals. Das organisiert u.a. der Verlag für mich. Außerdem habe ich eine eigene Website und einen Instagram-Account, auf dem ich immer mal wieder was poste von einer Lesung oder wenn gerade ein neues Buch von mir erschienen ist.

„Ich genieße es die Zeit zu haben, in meinem Kopf spazieren zu gehen.“

Anja Körner

Ist Schreiben eine Auszeit für dich?

Ich genieße es, an meinem Schreibtisch zu sitzen und die Zeit zu haben, in meinem Kopf spazieren zu gehen. Meinen Messejob würde ich dafür aber nie an den Nagel hängen. Zum einen müsste ich dafür deutlich mehr Bücher schreiben als die aktuell zwei im Jahr. Und dann wäre es auch weniger Auszeit und Spaß für mich und deutlich mehr Druck dahinter. Ich genieße hier bei der Messe zudem zu viele andere Sachen: den Austausch mit den Kollegen oder die Internationalität. Nur zu schreiben wäre mir zu wenig Außenkontakt. Ich finde es so, wie es aktuell läuft, genau richtig und bin sehr dankbar, dass ich beides machen kann.

Weitere Beiträge aus dieser Kategorie: