Zehn beispielhafte Entwicklungen aus den Bereichen Material- und Produktentwicklungen sowie neue Prozesse und innovative Bekleidung werden in diesem Jahr im Rahmen der Techtextil, Internationale Fachmesse für Technische Textilien und Vliesstoffe, ausgezeichnet. Eine international besetzte und hochkarätige Jury hat die innovativen Produkte aus über 80 Einreichungen ausgewählt. Während der feierlichen Abendveranstaltung wird der Techtextil-Innovationspreis insgesamt sieben Mal, der Avantex-Innovationspreis dreimal vergeben. Drei der insgesamt zehn Prämierungen werden als „Honorable Mention“ verliehen. Mit den Auszeichnungen soll unkonventionelles Denken gewürdigt und der Dialog zwischen Forschung, Herstellern und Anwendern angestoßen werden. „Die hohe Innovationskraft, die den ausgezeichneten Entwicklungen innewohnt, steht stellvertretend für die gesamte Branche. Davon können sich die Besucher auf der Techtextil überzeugen“, so Olaf Schmidt, Vice President Textiles & Textile Technologies bei der Messe Frankfurt. Die Preisverleihung findet am 23. Mai 2011 ab 18.15 Uhr im Congress Center der Messe Frankfurt statt und bildet damit den Auftakt für die vom 24. bis 26. Mai 2011 stattfindende Techtextil. Sämtliche prämierten Produkte werden in der Halle 3.1 auf den Standflächen B11 und J58 ausgestellt.
Die sieben Techtextil-Innovationspreise werden jeweils dreimal in den Kategorien ‚New Materials’ und je einmal in ‚New Processes’, in ‚New Technologies’, in ‚Safety + Protection’ sowie in ‚Architecture’ vergeben. Die drei Avantex-Innovationspreise werden zum einen im Bereich ‚Safety + Protection’ sowie ‚Personal Protection’ und zum anderen für ‚Comfort + Function’ verliehen.
Die Techtextil-Innovationspreise:
Safety + Protection
Fly-Bag: explosionsresistenter textiler Gepäckcontainer zum Einsatz im Frachtraum von Flugzeugen
Die Gefahr durch den internationalen Terrorismus hat die Preisträger dazu veranlasst, einen sprengstoffresistenten, textilbasierten Gepäckcontainer zu entwickeln, der im Falle einer Detonation im Frachtraum des Flugzeugs die Maschine selbst und somit auch die Sicherheit der Passagiere schützen kann. FLY-BAG – wie die ausgezeichneten Entwicklung heißt – reduziert die Auswirkungen von “on-board”-Explosionen massiv. Der Container ist durch die Verwendung von textilen Fasern und Verbundmaterialien extrem widerstandsfähig und kann kosteneffizient auf nahezu jede Anwendung in jedem Flugzeugtyp angepasst werden. Der Vorteil: Die textile, mehrlagige Struktur ist flexibel und leicht. Sie schwächt die Ausdehnung einer Explosions- und Gaswelle kontrolliert ab und entschärft sie. Gleichzeitig verhindert die Struktur, dass herumfliegende Gepäckteile die Flugzeugaußenhülle zerstören können.
Preisträger:
Dr. Donato Zangani, Alessandro Bozzolo und Samuele Ambrosetti (D’Appolonia S.p.A., Genua/Italien)
Dr. Heike Illing-Günther, Dr. Petra Franitza, Ralf-Peter König, Dipl.-Ing.-Ök. Andreas Berthel (Sächsisches Textil Forschungsinstitut e.V./Deutschland)
Dr. Andrew Tyas, Dr. Jim Warren, Stephen Fey (Blastech Ltd./Großbritannien)
Danilo Bardaro, Rosario Dotoli (Consorzio CETMA/Italien)
Dr. Michael Schneider (Air Tex Solution/Deutschland)
Alex Carmel (Cargo Network/Niederlande)
Fabio Caronti (Meridiana Maintenance S.p.A./Italien)
Tord Gustafsson (APC Composite/Schweden)
Helmuth Toftegaard, Dr. Hans Lilholt (Riso DTU National Laboratory for Sustainable Energy/Dänemark)
Architecture
Flectofin – Bionische Fassadenabdunklung am Beispiel der Strelitzia
Bei Flectofin handelt es sich um eine naturinspirierte, wandelbare Konstruktion für die Architektur. Bei dem gelenklosen und stufenlos verformbaren Klappmechanismus kann die Ausrichtung eines flächigen Bauteils (Lamelle) graduell und ebenfalls stufenlos verändert werden. Die elastische Verformung basiert auf den Verschiebeprinzipien der Paradiesvogelblume (Strelitzia Reginae) und wurde für Verschattungssysteme in der Architektur weiterentwickelt. Grundlage ist ein glasfaserverstärkter Kunststoff mit einem Polymergrundgefüge, der eine hochelastische Deformationsfähigkeit aufweist. Das Seitwärtsbiegen der Lamelle wird dabei durch das Herunterbiegen eines angeschlossenen Stabes angestoßen. Aufgrund dieser schiefen Biegung klappt die Lamelle um bis zu 90 Grad um. Dieses Grundprinzip lässt sich zu verschiedenen Versionen des Flectofin weiterentwickeln, da sich die Kinematik nicht nur problemlos skalieren, sondern auch beliebig koppeln lässt.
Preisträger:
Larissa Born B. Eng., Julian Sartori B. Sc., Dr.-Ing.Markus Milwich, Dr. Ing. Thomas Stegmaier, Prof. Dr. Heinrich Planck, Dipl. Ing. Anja Walter (Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf/ Deutschland)
Dipl. Biol. Simon Poppinga, Dr. Tom Masselter, Prof. Dr. Thomas Speck (Plant Biomechanics Group, Universität Freiburg/ Deutschland)
Dipl. Ing. Julian Lienhard, Simon Schleicher M. Arch., Prof. Dr.-Ing. Jan Knippers (Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen, Universität Stuttgart/Deutschland)
Eberhard Brumm, Marc Jansen, Klauss Vogg (clauss markisen Projekt GmbH/Deutschland)
New Materials
FogHa-TiN – Entwicklung eines dreidimensionalen textilen Werkstoffes zur Wassergewinnung aus Nebelaerosolen
Das F&E-Projekt zur Entwicklung von innovativen, textilbasierten Nebelfängern unter Nutzung der dritten Dimension hat sich die Natur zum Vorbild genommen. Ziel der Entwicklung war es, die hocheffiziente pflanzliche Funktion der Nebeltröpfchenabscheidung und die damit verbundene rasche Ableitung der gesammelten Flüssigkeit zur Wassergewinnung zu übertragen. Die unter dem Markennamen FogHa-TiN verfügbaren 3D-Textilien können neben der Wassergewinnung aus Nebel zur weltweiten, dezentralen Versorgung und landwirtschaftlichen Bewässerung, aber auch für technische Anwendungen eingesetzt werden. Beispielsweise können die Textilien auch zur Ölnebelabscheidung in Absaugungen von spanabhebenden Maschinen mit Kühlschmierstoffen oder aber auch zur Abscheidung von (gesundheitsschädlichen) Aerosolen aus Dämpfen eingesetzt werden.
Preisträger:
Dr. Jamal Sarsour, Dr. Michael Linke, Prof. Dr. Heinrich Planck, Dr.-Ing. Thomas Stegmaier (Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf/Deutschland)
PD Dr. Anita Roth-Nebelsick (Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart/Deutschland)
Dr. Martin Ebner, Tatiana Miranda M. Sc. (Institut für Geowissenschaften der Universität Tübingen/Deutschland)
Christoph Larsén-Mattes (Mattes & Ammann GmbH & Co. KG/Deutschland)
Dr. Jannis Stefanakis (Solarenergie Stefanakis/Deutschland)
New Technologies
Open Reed Weave-Technologie
Im November 2010 stellte Lindauer Dornier die Open Reed Weave- Technology (ORW) erstmals als innovative neue Webtechnologie vor, die die Produktion von innovativen, anspruchsvollen technischen Textilien möglich macht. Dornier-Webmaschinen mit der revolutionären ORW-Technologie decken in der Produktionskette für die Herstellung technischer Textilien insgesamt drei Bereiche ab: So können sowohl Gittertextilien in Kreuzdreherbindung mit stabilen Schlingen für den Einsatz in den Bereichen Geotech, Agrotech und Indutech als auch statische Verstärkungen für vorgefertigte Bauteile aus Beton produziert werden. Das Haupteinsatzgebiet für die ORW-Technologie liegt aber in der Herstellung von Multiachsengelegen. Eine besonders interessante Erweiterung ist das Weben partieller Verstärkungen. Diese könnten als „lokale Verstärkung" für ballistische Gewebe (Schutzwesten) verwendet werden oder als „Rahmenverstärkung" von Verbundwerkstoffen in der Luftfahrt- und Automobilindustrie. Auch ist es möglich auf diese Weise leitende Drähte für die Herstellung von beheizbaren Textilien zu produzieren.
Preisträger:
Dr. Adnan Wahhoud (Lindauer Dornier Gesellschaft mbH/Deutschland)
New Materials
Polyesterfaser mit Phase-Change-Material (PCM)
Outlast-Fasern, -Stoffe und -Beschichtungen wurden ursprünglich für die NASA entwickelt und enthalten patentierte mikroverkapselte Phase-Change-Materialien, so genannte Thermocules, die überschüssige Körperwärme aufnehmen, speichern und wieder abgeben. Auf der Techtextil stellt Outlast jetzt eine Weltneuheit vor: Die erste klimaregulierende Polyesterfaser mit Phase Change-Material (PCM), genauer: eine Zwei-Komponenten-Faser mit PCM-Kern und Polyesterschicht. Die neue Outlast-Faser verbindet das patentierte PCM zur Klimaregulierung mit den charakteristischen Vorzügen der Polyesterfaser. Die Vorteile: geringe Feuchtigkeitsaufnahme, schnellere Feuchtigkeitsabgabe, Knitterfreiheit, extreme Materialleichtigkeit, Wasser- und Windresistenz sowie überdurchschnittliche Haltbarkeit. Vor allem für den Einsatz im Unterwäschebereich beziehungsweise im Bereich von Kleidung, die direkt auf der Haut getragen wird, eignet sich die Temparaturmanagementfaser optimal.
Preisträger:
Volker Schuster (Outlast Europe GmbH/Deutschland)
Mark Hartmann (Outlast Technologies, Inc/USA)
Honorable Mention: New Processes
Nachhaltig produzierter latexfreier Teppich für die Automobilindustrie hergestellt mit Hilfe puderbeschichteter Abfallprodukte
Auf Basis einer nachhaltigen Herstellungsweise hat Fibroline einen latexfreien sowie kosteneffizienten Autoteppich entwickelt und patentiert. Als Ersatz für das Latex kommt ein Puderbinder zum Einsatz, der als Abfallprodukt der puderbeschichtenden Industrie entsteht. Der Binder hat den Vorteil, dass er das Endprodukt um ein Vielfaches leichter macht. Im Herstellungsprozess erfordert die patentierte Trockenpuderimprägnierungstechnologie einen wesentlich geringeren Energieverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Methoden. Die neue Verbundmethode erlaubt es zudem, die Materialien wieder zu trennen, so dass sie dem Recyclingprozess erneut zugeführt werden können.
Preisträger:
Jerome Ville, Vincent Bonin (Fibroline France SARL/Frankreich)
Honorable Mention: New Materials
Pyrotex – Neue Sicherheitsfaser
Pyrotex vereint eine Vielzahl an positiven Eigenschaften, übertrifft dabei deutlich die derzeitigen Standards und ist auf Grund ihrer breit gefächerten Eigenschaften mit keiner der bisher erhältlichen flammhemmenden Fasern vergleichbar. Die Acrylfaser wurde in ihren Funktionen so modifiziert, dass sie diversen Anforderungen entspricht: Hierzu zählen unter anderem Flamm- und Hitzebeständigkeit, Säure-, Basen-, UV- und Lösungsmittel-
beständigkeit. Darüber hinaus schmilzt die Acrylfaser nicht, tropft nicht und produziert auch keine toxischen Dämpfe. Sie eignet sich somit sowohl für Bekleidung als auch zur Produktion von technischen Textilien, kann auf allen Systemen und Spinnen als Vlies verarbeitet werden, ist Öko-Tex zertifiziert und färbbar. Sie kann als Singlefaser verwendet werden oder im Verbund mit anderen Fasern – natürlichen sowie synthetischen.
Preisträger:
Robert M.P. Jarausch (PyroTex GmbH/Deutschland)
Die Avantex-Innovationspreisgewinner:
Personal Protection
Sensor-basierte Schutzausrüstung für die Waldarbeit
mit gefährlichen Maschinen und Werkzeugen (Motorsägen)
Durch eine innovative Weiterentwicklung bestehender Schutztechnologien erhöht das ausgezeichnete Forschungsprojekt die Sicherheit beim Einsatz von Motorsägen in der Forstwirtschaft um ein Vielfaches. Die Sensor-basierte Schutzausrüstung verhindert Schnittverletzungen, indem die Motorsäge automatisch und aktiv abschaltet. Dies wird durch eine Näherungssensorik erreicht, die in das Gewebe der Schutzkleidung eingearbeitet ist. Die hochempfindlichen Magnetfeldsensoren erfassen bereits schwächste Feldstärken. Für die Zukunft ist die Integration weiterer Sensoren denkbar, so beispielsweise Temperatur- oder Beschleunigungssensoren verbunden mit einer Diagnosefunktion, die vor Überhitzung der Maschine warnen kann. Die Textilsensorschicht ist weder sichtbar noch für den Träger spürbar. Das Material kann wie ein Standardtextilmaterial der Bekleidungsindustrie verarbeitet werden.
Preisträger:
Martin Rupp, Angela Mahr-Erhardt (Hohenstein Institute für Textilinnovation e.V./Deutschland)
Christoph Breckenfelder (Universität Bremen,Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik – TZI/Deutschland)
Dmitriy Boll ( Universität Bremen, Institut für Mikrosensoren, -aktoren und -systeme – IMSAS Bremen/Deutschland)
Comfort + Function
Luxicool Funktionsgarn in Sofileta Cooling Fabrics
In einem gemeinsamen Projekt entwickelten das belgische Unternehmen Luxilon und die französische Strickerei Sofileta eine neue Generation von Komfortstoffen auf der Grundlage des Luxicool-Garns. Im Gegensatz zu existierenden Produkten wird die Kühlung durch eine Polymerzusammensetzung hervorgerufen und eignet sich so unter anderem für den Einsatz bei Sport-, Arbeits- und Schutzkleidung oder bei medizinischen Textilien. Das Kühlverhalten der völlig neuartigen Monotextilfaser Luxicool basiert auf der Verdunstung von Feuchtigkeit und ist auf die besondere molekulare Zusammensetzung und Struktur des Polymers zurückzuführen, das aus einer regelmäßigen Abfolge von hydrophilen und hydrophoben Blöcken besteht. Das führt zu einer konstanten Anziehung und Verdunstung des Wassers, was wiederum die Feuchtigkeit reguliert und ein verbessertes Komfortgefühl hervorruft. Außerdem besitzt das Garn eine ausgezeichnete Thermoleitfähigkeit, die die schnelle Ableitung der thermischen Energie gewährleistet. Luxicool ist elastisch und kann in allen Standardtextiltechnologien wie Weben, Stricken und Flechten verarbeitet werden. Sofileta hat auf der Grundlage der Luxicool-Technologie unter dem Brand Sofileta Cooling Fabrics ein Reihe von textilen Ummantelungen entwickelt, die die Eigenschaften von Luxicool unterstützen und verstärken.
Preisträger:
Herbert De Breuck, Nico Van Malderen (Luxilon/Belgien)
Gabriele Honstein, Benoît Bouret (Sofileta/Frankreich)
Honorable Mention: Safety + Protection
Tex-Vest
Bei der Tex-Vest handelt es sich um eine interaktive Polizeiweste mit textilem Beleuchtungsdesign. Sie wurde entwickelt, um die Sicherheit der Beamten bei Verkehrskontrolle und -regulierung deutlich zu erhöhen. Das Textil wandelt Handsignale von
Polizeilotsen in klar verständliche Lichtsignale um, die sowohl bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit als auch bei Tageslicht gut sichtbar sind. Das bei der Techtextil 2011 präsentierte Beispiel zeigt, wie das auf einer LED-Leuchttechnik basierende Textil Handzeichen über die Displaystruktur in klar verständliche Lichtsignale wie das rote Stoppsignal oder einen entweder nach links oder rechts zeigenden grünen Pfeil umsetzt. Insgesamt können sechs Bilder visualisiert werden. Die Lichtsignale auf der Weste werden durch einfache Bewegungen hervorgerufen, die durch Sensoren aufgenommen und umgesetzt werden.
Preisträger:
Jaka Plesec, Prof. Dr. Zane Berzina, Prof. Carola Zwick (Kunsthochschule Berlin-Weißensee /Deutschland)
Dr. habil. Andreas G. Neudeck, Dr. Uwe Möhring, Frank Thurner (Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland e.V./Deutschland)
Techtextil, internationale Fachmesse für technische Textilien und Vliesstoffe
Die Techtextil, die vom 24. bis 26. Mai 2011 stattfindet, konzentriert als weltweite Leitmesse sämtliche Produktgruppen sowie Anwendungsbereiche an einem zentralen Veranstaltungsort und gilt als Branchenhighlight. Hier finden Industrie, Forschung und Handel das gesamte Themenspektrum an technischen Textilien und Vliesstoffen in allen seinen Disziplinen auf einer weltweit einmaligen Innovationsplattform. Parallel zur Techtextil findet die Material Vision, Fachausstellung und Konferenz von Materialien für Produktentwicklung, Design und Architektur, sowie erstmalig die Texprocess, internationale Leitmesse für die Verarbeitung von textilen und flexiblen Materialien (24. bis 27. Mai 2011), statt. Drei branchenwichtige Messen zur gleichen Zeit an einem Ort: Nicht nur synergetisch, sondern auch kosten- und zeittechnisch für Aussteller und Besucher gleichermaßen interessant. Diese Konstellation und dieses geballte Branchen-Know-how findet man in dieser Form nur in Frankfurt am Main während der Techtextil. Mehr Informationen zur Techtextil 2011: www.techtextil.com